Läärguet

Schweizer Mundart-Rock

Chartehuus

So feingliedrig wie ein - Kartenhaus - haben Läärguet ihr zweites Album aufgebaut. Zwar ist der Titel nicht stures Programm - "Chartehuus" heisst ja auch die aktuelle Single der Band - aber mit etwas Fantasie kann man dieses Bild schon gebrauchen. Song für Song bauen die Seeländer ein luftiges Gebilde, dessen Zerbrechlichkeit sich hervorragend als Metapher für "ihre" ganz eigene Mundart eignet - "Chartehuus" vermittelt dem Hörer die gesamte Gefühlspalette von nachdenklich bis fröhlich.

Trotz oder vielleicht gerade wegen ihres Namens - Läärguet ist eine Band, die man sich merken sollte!

Mit ihrem tief verwurzelten Rock-Härz und innovativen Texten vielleicht am ehesten mit Span vergleichbar, finden Läärguet eine Mischung, die einem direkt ins Herz trifft. 

 So versprüht der Opener "Jetzt woni da bi" den Glauben ans gerechte Schicksal - ein Song, der zeigt, wie viel Mist manchmal passieren muss, damit man zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Musikalisch geben Läärguet damit auch gleich den Tarif bekannt, wofür in erster Linie die rockigen Gitarren und in zweiter Instanz das technoide Keyboard sorgen. Mit "Whatsapp" zeigen die Seeländer, dass sie auch thematisch voll auf der Höhe der Zeit sind - vor fünf Jahren hätte dieser Song wohl noch "SMS" geheissen. Heute dagegen ist längst nicht mehr jeder, der zwitschert automatisch ein Vogel. Eventuell bereits aus dem Radio bekannt ist der Album-Titelsong "Chartehuus", tendenziell etwas melodiöser aber immer noch sehr Läärguet und dank Fernweh ähnlich intensiv wie das folgende "Der eiget Fium", einer Metapher aufs Leben, unsere Vorbilder und die eigenen Träume, dessen Worte besonders treffend gewählt sind. 

"Prinzässin" beschreibt das Gefühl das Vater-Werdens und was es in einem auslöst in authentischer Intensität. Damit passt es hervorragend auf dieses Album, gleich einem Regenbogen von Text gewordenen Gefühlen. Bei "Ample" helfen auch die hypnotischen Keyboards hinsichtlich Hühnerhautcharakter. Der Song ist als grosses "Danke" an eine Person formuliert und doch kein Love-Song, wie man ihn sonst kennt. Den liefern Läärguet gleich danach mit "Du farsch mir i" und nehmen den Hörer mit auf einen romantischen Tagesausflug. Das frech darauf folgende "Nümmerli" spielt mit den verschiedenen Bedeutungen des Wortes und ist musikalisch dank Bläser-sektion und progressivem Beat eine oppulente Rocknummer. "Lift" beschwört den Moment von Liebe (oder Lust) auf den ersten Blick anhand eines Tagtraums und flirtet gleichzeitig mit dem Ohr des Zuhörers. Zum Ausklang des Albums schliesslich nimmt "Zwe Seele" nachdenklich Abschied von einem geliebten Menschen und "Song im Ohr" stimmt einen positiv und gibt einem etwas mit auf den Weg. 

"Chartehuus" ist gleichzeitig neu und anders als auch den Traditionen der Mundart verpflichtet. So etwas muss man einfach gehört haben!

(monthychristo@trespass.ch)